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Die Bahn will dem Winter diesmal trotzen

02.11.2017

In Berlin-Lichtenberg werden 200 Regionalzüge für Berlin und Brandenburg auf den Einsatz bei Eis und Schnee vorbereitet.
Berlin. Die Bahn hat sich in den vergangenen Wochen nicht gerade wetterfest gezeigt. Erst legte Anfang Oktober das Orkantief "Xavier" fast den gesamten Bahnverkehr in Deutschland lahm, kurz darauf schob "Herwart" die Züge vor allem im Osten und Norden des Landes tagelang aufs Abstellgleis.

Auf die Unbilden des Winters sieht sich die Bahn besser vorbereitet. So lautete die Kernbotschaft des bundeseigenen Unternehmens, das am Donnerstag zu einem Vor-Ort-Termin nach Lichtenberg eingeladen hatte. Auf dem Werkstattgelände neben dem Fern- und S-Bahnhof lässt die Bahntochter DB Regio Züge warten, die im Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg eingesetzt werden. Rund 200 Fahrzeuge gehören zur Flotte, darunter 45 moderne Talent-Triebwagenzüge, aber auch 20 E-Loks und rund 100 ältere Doppelstockwagen, wie sie etwa auf den Regionalexpresslinien RE3 (Elsterwerda–Berlin–Schwedt/O.) oder RE5 (Lutherstadt Wittenberg–Berlin–Rostock/Stralsund) unterwegs sind. "Winterfestmachung" nennt sich das Programm, mit dem die Bahn seit Anfang September ihre Züge auf den Einsatz bei Eis und Schnee vorbereitet.

"Für jedes Fahrzeug gibt es da spezielle Vorgaben", sagte Björn Rothe, in Lichtenberg Chef der Einsatzleistelle. Mit Hilfe eines Geräts namens "Sandfloh" werden etwa bei den Talent-Triebwagen die Sandbehälter aufgefüllt. Der Quarzsand wird bei Bedarf auf rutschige oder vereiste Schienen gestreut, das verbessert die Haftung zwischen Rad und Schienenkopf und damit das Bremsverhalten des Zuges. Ebenso wichtig ist die Prüfung, ob die Heizung am Sandrohr intakt ist, sie verhindert ein Zufrieren und damit den Ausfall dieser lebenswichtigen Technik. Dritter Punkt auf der Checkliste sind die Kupplungen, die im Winter ebenfalls zum Vereisen neigen. Auch sie werden bei den Talent-Triebwagen beheizt.

Die größten Sorgen bereiten den Wagenmeistern der Bahn allerdings nicht unbedingt tiefer Frost und große Schneemengen. "Am unangenehmsten sind für uns Temperaturen zwischen null und minus zwei Grad", sagte Rothe. Dann würde sich etwa an den Stromabnehmern der E-Loks Raureif bilden. Daraus werden Eisklumpen, die den Abnehmer herunterdrücken und die Verbindung zum Stromkabel abreißen lassen. "Dann bleibt der Zug mitten auf der Strecke stehen und muss abgeschleppt werden", beschreibt Rothe die Folgen.

Größter Schwachpunkt im Winter seien in der Vergangenheit nicht die Fahrzeuge, sondern die Infrastruktur gewesen, sagte Florian Müller vom Berliner Fahrgastverband Igeb. Müssten doch in der Region 4000 Fern- und Regionalbahngleise sowie 327 Streckenkilometer für die S-Bahn schneefrei gehalten werden.

Auch da sieht sich die Bahn besser vorbereitet. 5878 der rund 6000 Weichen seien inzwischen beheizt und damit gegen den Ausfall geschützt. Sechs Räumfahrzeuge und 2530 Räumkräfte würden bereitstehen. An elf Standorten könnten zudem vereiste Züge aufgetaut werden. "Der Winter kann kommen", so Bahn-Manager Rothe.

Autor/Agentur: Thomas Fülling
Quelle: Berliner Morgenpost
Medium: Tageszeitung
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